ETF-Sparplan vs. Riester vs. Altersvorsorgedepot
Riester wird ab 2027 durch das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ersetzt. Ein durchgerechneter 30-Jahres-Vergleich über 54.000 € Eigenkapital zeigt, wer mit einem reinen ETF-Sparplan, mit Riester oder mit dem neuen Depot netto am meisten behält – und wo Flexibilität schwerer wiegt als die Zulage.

Sie haben einen ETF-Sparplan über 200 € im Monat eingerichtet, waren still stolz auf sich – und dann lesen Sie die Schlagzeile: Riester wird abgeschafft und ab 2027 durch eine staatlich geförderte ETF-Rente ersetzt. Aus dem stillen Stolz sind Zweifel geworden. Lässt Ihr schlichter, ungeförderter Sparplan kostenloses Staatsgeld liegen? Die ehrliche Antwort lautet „es kommt darauf an" – und, ungewöhnlich für eine Finanzfrage, es hängt von Zahlen ab, die Sie tatsächlich ausrechnen können. Dieser Ratgeber rechnet alle drei Wege durch, damit Sie aufhören zu raten.
TL;DR
- Die Staatsförderung ist echtes Geld, aber nicht geschenkt – Sie zahlen einen Teil über die volle Einkommensteuer auf jeden im Ruhestand ausgezahlten Euro zurück und (bei Riester) über eine Garantie, die Ihre Rendite deckelt.
- Riester verliert gegen einen reinen ETF-Sparplan für die meisten Alleinstehenden ohne Kinder: Die garantierte Nettorendite von ~3 % schlägt die ~6 % eines globalen Aktien-ETFs langfristig nicht, selbst mit Zulage.
- Das Altersvorsorgedepot 2027 behebt Riesters fatalen Fehler – es lässt das geförderte Geld in einem ETF mit 0 % Garantie liegen, sodass Sie Wachstum und Förderung behalten.
- Bei gleichen 54.000 € Eigenkapital über 30 Jahre lag das geförderte Depot in unserem Rechenbeispiel ~13.000 € vor dem reinen ETF – und mit Kinderzulagen noch weiter.
- Ein reiner ETF-Sparplan gewinnt weiterhin bei der Flexibilität: Er ist der einzige der drei, an den Sie vor 65 herankommen.
KEY-STAT: 27. März 2026 — Tag, an dem der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedete – Start des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027
Die drei Optionen im Klartext
Vor der Rechnung sortieren wir die drei Produkte – denn ihr Status 2026/2027 verändert sich gerade unter Ihren Füßen.
Ein reiner ETF-Sparplan ist ein automatisierter monatlicher Kauf eines globalen Indexfonds in einem gewöhnlichen Wertpapierdepot. Keine Staatsförderung, keine Sperrfrist, versteuert werden nur Ihre Anlagegewinne. Wenn dieser Weg neu für Sie ist, führt unser ETF-Sparplan-Einsteiger-Guide durch die Eröffnung.
Riester ist die alte staatlich geförderte Privatrente: Sie erhalten Zulagen und einen Steuervorteil, aber der Vertrag muss eine 100-%-Garantie auf Ihr eingezahltes Kapital tragen, was renditeschwache sichere Anlagen erzwingt. Für Neuverträge schließt Riester am 31. Dezember 2026 – bestehende Verträge laufen weiter. Den Ausstieg behandeln wir ausführlich in Riester-Rente 2026: behalten, ruhen oder kündigen.
Das Altersvorsorgedepot ist Riesters Nachfolger, beschlossen durch das Altersvorsorgereformgesetz, das der Bundestag am 27. März 2026 verabschiedete. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Sie darin ETFs innerhalb eines geförderten Rentenmantels halten und – entscheidend – eine Garantie von 0 %, 80 % oder 100 % wählen. Die 0-%-Variante ist im Kern ein reiner ETF-Sparplan mit angeschraubtem Staatszuschuss. Was das Produkt selbst genau ist, erklärt unser Leitfaden zum Altersvorsorgedepot.
Die Förderung, die die Rechnung kippt
Hier ist der Fall für den geförderten Weg, in echten Zahlen.
Riester zahlt eine Grundzulage von 175 € im Jahr plus eine Kinderzulage von 300 € im Jahr je ab 2008 geborenem Kind (185 € für ältere Kinder), Beiträge sind bis 2.100 € im Jahr nach § 10a EStG abzugsfähig.
Das Altersvorsorgedepot ist bei der Grundförderung großzügiger: Der Staat legt 50 Cent je Euro auf Ihre ersten 360 € obendrauf, dann 25 Cent je Euro bis 1.800 € Eigenbeitrag – eine maximale Grundzulage von 540 € im Jahr. Die Kinderzulage beträgt 100 % Ihres Eigenbeitrags, bis zu 300 € je Kind, und Sie dürfen bis zu 6.840 € im Jahr je Depot einzahlen.
KEY-STAT: 540 € — maximale jährliche Grundzulage im Altersvorsorgedepot ab 2027 – über das Dreifache von Riesters 175 €
Hinweis
Bei den Kinderzulagen sitzt der eigentliche Hebel. Ein Haushalt mit zwei Kindern kann mit einem moderaten Eigenbeitrag weit über 1.000 € Zulagen im Jahr ins Depot ziehen – ein Renditeschub, den kein reiner ETF erreicht, weil der Staat faktisch mit-investiert.
Die drei Bremsen, die niemand neben die Förderung stellt
Förderungsvergleiche lieben die Zahlen oben und verschweigen still die drei Dinge, die Wert zurückholen.
Garantie-Bremse. Riesters 100-%-Nominalgarantie zwingt den Anbieter in renditeschwache sichere Anlagen, die nach Kosten historisch grob 2–4 % im Jahr netto erzielen – gegen die langfristigen ~6–9 % nominal eines globalen Aktien-ETFs. Über Jahrzehnte lässt diese Lücke die Zulage verblassen. Die 0-%-Garantie-Option des Altersvorsorgedepots beseitigt diese Bremse vollständig.
Gebühren. Klassische Riester-Verträge tragen Abschluss- und Verwaltungskosten von grob 1–2 % im Jahr, die über die gesamte Laufzeit gegen Sie zinseszinsen.
Die Auszahlungssteuer. Das ist die große. Geförderte Renten nutzen die nachgelagerte Besteuerung – im Ruhestand versteuert, wobei 100 % jeder Auszahlung mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert werden. Ein reiner ETF besteuert nur Ihre Gewinne. Ein Teil Ihrer glänzenden Zulage ist faktisch ein Kredit gegen eine künftige Steuerrechnung.
Warnung
Vergleichen Sie die Förderung nie gegen nichts. Der richtige Vergleich ist Förderung minus der vollen Einkommensteuer auf die geförderte Auszahlung, minus etwaiger Garantie- und Gebührenbremse. Tun Sie das, kostet „geschenktes Geld" manchmal mehr, als es bringt.
Wie ein reiner ETF tatsächlich besteuert wird
Damit der Vergleich fair bleibt, kalkulieren Sie auch den ETF-Weg ehrlich. Deutsche Anlagegewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Soli = 26,375 %, aber Aktienfonds erhalten eine Teilfreistellung von 30 %, was den effektiven Satz auf etwa 18,46 % senkt. Zusätzlich haben Sie jedes Jahr einen steuerfreien Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € für Paare) und zahlen über die Vorabpauschale (Basiszins 2026: 3,20 %) jährlich ein wenig Steuer vorab. Die Kernaussage: Nur Ihre Gewinne werden besteuert, und zwar mit rund 18 % – gegenüber 100 % einer geförderten Auszahlung zu Ihrem vollen Satz.
Der Break-even: dieselben 150 €/Monat, 30 Jahre lang
Unten steht das ganze Argument in einer Tabelle. Jede Option erhält dieselben 1.800 € Eigenkapital im Jahr (150 €/Monat) über 30 Jahre – 54.000 € aus Ihrer Tasche. Die Förderung kommt obendrauf, wo sie greift. Die Zahlen sind gerundet und beispielhaft für einen Alleinverdiener ohne Kinder; die Annahmen stehen darunter.
| Option | Ihr Eigenkapital | Staatszulage zusätzlich | Angenommene Nettorendite | Bruttovermögen nach 30 J. | Steuer bei Auszahlung | Netto in der Hand |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Reiner ETF-Sparplan | 54.000 € | 0 € | ~6 % | ~142.000 € | ~16.000 € (nur Gewinne, ~18,5 %) | ~126.000 € |
| Riester (klassisch, garantiert) | 54.000 € | ~5.250 € | ~3 % | ~94.000 € | ~23.000 € (volle Auszahlung, ~25 %) | ~71.000 € |
| Altersvorsorgedepot (0 % Garantie) | 54.000 € | ~16.200 € | ~6 % | ~185.000 € | ~46.000 € (volle Auszahlung, ~25 %) | ~139.000 € |
Annahmen: 150 €/Monat Eigenbeitrag über 30 Jahre; ETF und Depot wachsen mit 6 % nominal, Riester mit 3 % nach Garantie und Gebühren; ETF nur auf Gewinne mit ~18,5 % besteuert, geförderte Produkte voll mit einem Ruhestandssatz von 25 %; Zulagen gemäß Riester-Regeln 2026 / Depot-Regeln 2027 für einen Alleinverdiener ohne Kinder. Reale Renditen, Gebühren und Steuersätze schwanken – behandeln Sie dies als Modell, nicht als Versprechen.
Lesen Sie das Endergebnis, nicht das Bruttovermögen. Alt-Riester verliert gegen einen reinen ETF – seine Garantie deckelt das Wachstum so stark, dass die 5.250 € Zulage es nicht retten. Aber die 0-%-Garantie-Variante des Altersvorsorgedepots schlägt beide: Sie wächst mit denselben 6 % wie Ihr ETF, und die 16.200 € aufgezinste Förderung bleiben selbst nach der vollen Auszahlungssteuer vorn.
Wo die Förderung gewinnt
Zwei Situationen kippen die Rechnung klar zugunsten des geförderten Depots.
Sie haben Kinder. Die Kinderzulage ist ein prozentualer Schub auf einen kleinen Eigenbeitrag – geschenktes Geld, das über Jahrzehnte zinseszinst. Der Break-even eines Elternteils gegenüber einem reinen ETF kommt weit früher als in der Alleinverdiener-Tabelle oben.
Sie sind jetzt Gutverdiener und erwarten im Ruhestand einen niedrigeren Satz. Die nachgelagerte Besteuerung wird zur Arbitrage, wenn Sie Beiträge heute mit einem Grenzsteuersatz von 42 % absetzen und die Auszahlung später mit 25 % versteuern. Je größer diese Lücke, desto besser sieht der geförderte Weg aus. Das ist dieselbe Aufschub-Logik, die private Altersvorsorge für Gutverdiener generell attraktiv macht.
Wo der reine ETF-Sparplan gewinnt
Liquidität und die Freiheit, umzudenken. Die geförderten Töpfe sind bis mindestens 65 gesperrt, und wer die Förderung vorzeitig verlässt, zahlt die Zulagen zurück. An einen reinen ETF-Sparplan kommen Sie an jedem beliebigen Dienstag heran – für einen Notfall, eine Anzahlung fürs Eigenheim oder den Tag, an dem Sie Deutschland verlassen und Ihr Kapital mitnehmen wollen.
Ein Alleinverdiener ohne Kinder mit flachem Steuerprofil. Keine Kinder bedeutet keinen Kinderzulagen-Hebel; kein großer Sprung im Ruhestandssatz bedeutet keine Aufschub-Arbitrage. In diesem Fall sind der effektive ~18-%-Satz und die volle Flexibilität des reinen ETFs schwer zu schlagen, und der Vorsprung der Förderung schrumpft Richtung Rauschen.
Tipp
Für viele lautet die Antwort nicht entweder/oder. Ein verbreiteter Ansatz: das geförderte Depot bis zu dem Punkt bespielen, an dem Zulagen und Steueraufschub maximiert sind, und alles darüber – sowie das notfall-erreichbare Geld – in einen reinen ETF-Sparplan lenken.
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Also was baut mehr auf?
Beim reinen Wachstum eines gleich hohen Beitrags lautet die Rangfolge in unserem Modell: Altersvorsorgedepot (0 % Garantie) > reiner ETF-Sparplan > Riester. Doch „baut mehr auf" klärt nur die Arithmetik. Ob die zusätzlichen ~13.000 € des Depots es wert sind, Ihr Geld bis 65 wegzusperren, entscheidet allein Ihr eigener Zeithorizont, Ihre Familie und Ihr Steuersatz. Der Weg, der in der Regel zu Menschen passt, die Flexibilität über die letzten paar Tausend Euro stellen, ist der reine ETF; der Weg, der in der Regel zu Familien und Gutverdienern mit langem Horizont passt, ist das geförderte Depot. Das Detail von 2027 setzt sich noch, beobachten Sie die Anbieterbedingungen bei Markteinführung.
Häufige Fragen
Ist Riester tot?
Für Neuverträge praktisch ja – es schließt am 31. Dezember 2026 für das Neugeschäft. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter und behalten ihre Zulagen; Sie werden zu nichts gezwungen.
Kann ich meinen Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Die Reform sieht Übertragungen vor, aber Mechanik und etwaige Kosten hängen von den Bedingungen Ihres Anbieters ab, sobald das Depot 2027 startet. Prüfen Sie die konkreten Konditionen, bevor Sie etwas umstellen.
Ist das Altersvorsorgedepot nur ein ETF mit Förderung?
Die 0-%-Garantie-Variante kommt dem sehr nahe – ein geförderter, steuerlich aufgeschobener Mantel um gewöhnliche ETFs –, aber mit einer bis 65+ gesperrten Auszahlung und voller Besteuerung beim Herausnehmen, anders als ein freies Wertpapierdepot.
Zahle ich zweimal Steuern?
Nein. Auf dem geförderten Weg sparen Sie die Steuer auf Beiträge und zahlen sie auf Auszahlungen (nachgelagerte Besteuerung). Beim reinen ETF investieren Sie bereits versteuertes Einkommen und zahlen nur auf Gewinne. Jeder Euro wird einmal besteuert – die Frage ist wann und zu welchem Satz.
Was, wenn ich Deutschland verlasse?
Ein reiner ETF-Sparplan reist als gewöhnliches Vermögen mit Ihnen. Geförderte Renten haben Wohnsitz- und Rückzahlungsbedingungen bei den Zulagen – ein echter Punkt, wenn Sie womöglich nicht in Deutschland in Rente gehen. Wägen Sie das neben einer privaten Rentenversicherung ab, die eigene Ausstiegsregeln hat.
Kann ich sowohl ein Depot als auch einen reinen ETF-Sparplan haben?
Ja – und für viele Sparer ist genau diese Kombination der Punkt. Nichts hindert Sie daran, ein gefördertes Depot und einen ungeförderten ETF-Sparplan nebeneinander zu führen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz- oder Versicherungsberatung dar. Vergleichen Sie Optionen über lizenzierte Partner (Vergleichsportale) wie Check24 oder Verivox. Alle Angaben ohne Gewähr.
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