Riester-Rente: So wird sie versteuert
Riester-Auszahlungen sind 2026 zu 84% steuerpflichtig — nicht steuerfrei. Mit echten Euro-Beispielen für die laufende Rente und die 30%-Kapitaloption, belegt mit aktuellen deutschen Steuerregeln.

Riester-Rente: So wird sie versteuert
Ihre Standmitteilung zeigt eine ordentliche monatliche Riester-Rente, die im Ruhestand auf Sie wartet. Was sie nicht zeigt: wie viel davon das Finanzamt zuerst kassiert — und die ehrliche Antwort lautet, dass der allergrößte Teil als steuerpflichtiges Einkommen zählt, nicht null Prozent davon.
TL;DR
- Riester-Auszahlungen unterliegen der nachgelagerten Besteuerung: Die Beiträge wurden beim Einzahlen gefördert, dafür wird die Auszahlung mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuert.
- 2026 zählen 84% Ihrer Riester-Auszahlung als steuerpflichtiges Einkommen — der Anteil steigt jedes Jahr um 0,5 Prozentpunkte, bis er 2058 bei 100% liegt.
- Ob überhaupt Steuer anfällt, hängt vom gesamten zu versteuernden Einkommen des Jahres ab, verglichen mit dem Grundfreibetrag 2026 von 12.348 € (Einzelveranlagung) — eine Riester-Rente ohne weiteres Einkommen kann steuerfrei bleiben.
- Zu Beginn der Auszahlungsphase können Sie bis zu 30% des angesparten Kapitals als Einmalzahlung entnehmen — dieser Anteil wird vollständig im Jahr des Erhalts versteuert und kann für dieses eine Jahr in eine höhere Progressionsstufe führen.
- Sehr kleine Riester-Verträge, die als Kleinbetragsrente auf einen Schlag ausgezahlt werden, erhalten die Fünftelregelung nach §34 EStG, die den einmaligen Steuersprung abfedert.
KEY-STAT: 84% — Anteil einer Riester-Auszahlung 2026, der steuerpflichtig ist, laut Raisins Riester-Steuerratgeber 2026
Die kurze Antwort: Nachgelagerte Besteuerung
Die Riester-Rente folgt demselben Prinzip wie die gesetzliche Rente: nachgelagerte Besteuerung. Während der Erwerbsjahre haben Beiträge bis 2.100 €/Jahr (4.200 € bei gemeinsam veranlagten Paaren) das zu versteuernde Einkommen als Sonderausgaben nach §10a EStG gesenkt — zusätzlich zu den direkt gutgeschriebenen Zulagen. Das ist die "Gefälligkeit" auf der Einzahlungsseite.
Auf der Auszahlungsseite wird diese Gefälligkeit zurückgezahlt: Sobald die Rente beginnt, wird sie zum übrigen zu versteuernden Einkommen addiert und mit Ihrem persönlichen Satz besteuert — genau wie bei der gesetzlichen Rente. Die Idee dahinter: Die meisten Rentnerinnen und Rentner haben im Alter einen niedrigeren Grenzsteuersatz als während des Erwerbslebens — aber es ist reale Steuer, keine Formsache.
Note
Die erhaltene Grundzulage und Kinderzulage werden bei der Auszahlung nicht separat zurückgefordert, anders als bei einer vorzeitigen Kündigung des Vertrags. Sie fließen einfach als Teil der steuerpflichtigen Auszahlung mit ein und werden wie der Rest des Vertrags besteuert.
Der steuerpflichtige Anteil nach Auszahlungsjahr
Der steuerpflichtige Anteil Ihrer Riester-Auszahlung ist nicht fest — er richtet sich nach dem Jahr, in dem Sie die Auszahlung beginnen, und bleibt dann für die gesamte Laufzeit der Auszahlung auf diesem Niveau. Seit 2023 steigt der steuerpflichtige Anteil jedes Jahr um 0,5 Prozentpunkte, bis er 2058 bei 100% ankommt.
| Auszahlungsbeginn | Steuerpflichtiger Anteil |
|---|---|
| 2023 | 83,0% |
| 2024 | 83,5% |
| 2025 | 84,0%* |
| 2026 | 84,0% |
| 2030 | 86,0% |
| 2040 | 91,0% |
| 2058 | 100,0% |
*Der Anstieg um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr gilt für den allgemeinen Zeitplan der nachgelagerten Besteuerung von gesetzlicher Rente und Riester-Rente; den genauen, für Ihr Auszahlungsjahr festgeschriebenen Wert finden Sie in Ihrem Rentenbescheid — die Tabelle oben rechnet den veröffentlichten Verlauf hoch.
Warning
Der steuerpflichtige Anteil wird zu Beginn der Auszahlungsphase dauerhaft festgeschrieben. Wer noch ein paar Jahre vor dem Ruhestand steht und den Auszahlungsbeginn wirklich frei wählen kann: Ein Jahr früher zu starten friert einen leicht niedrigeren steuerpflichtigen Anteil für die gesamte restliche Laufzeit ein — ein kleiner, aber dauerhafter Unterschied, kein Grund allein für einen früheren Ruhestand.
Beispielrechnung: Eine Riester-Rente von 600 €/Monat
Nehmen wir eine allein veranlagte Person, die 2026 eine Riester-Rente von 600 €/Monat erhält — 7.200 €/Jahr. Beim steuerpflichtigen Anteil von 2026 zählen davon 6.048 €/Jahr (84%) als steuerpflichtiges Einkommen. Was tatsächlich an Steuer anfällt, hängt vollständig davon ab, was sonst noch auf dem Steuerbescheid dieses Jahres steht.
| Szenario | Sonstiges zu versteuerndes Einkommen | Steuerpflichtiger Riester-Anteil | Gesamtes zu versteuerndes Einkommen | Gegen den Grundfreibetrag von 12.348 € |
|---|---|---|---|---|
| Kein sonstiges Einkommen | 0 € | 6.048 € | 6.048 € | Unter dem Freibetrag — 0 € Einkommensteuer |
| Bescheidene gesetzliche Rente | 14.000 € | 6.048 € | 20.048 € | 7.700 € über dem Freibetrag — progressiv besteuert |
Im zweiten Szenario werden die 7.700 € über dem Grundfreibetrag nicht mit einem einzigen festen Satz besteuert. Der deutsche Einkommensteuertarif 2026 beginnt die erste Progressionszone direkt oberhalb des Grundfreibetrags mit einem Eingangssteuersatz von 14%, der innerhalb der Zone bis 17.799 € ansteigt, bevor er weiter klettert. Damit liegt der Grenzsteuersatz dieser Person auf den letzten Euro der Riester-Rente im mittleren bis unteren zweistelligen Bereich, weit unter dem Spitzensteuersatz von 42%, der erst ab 69.879 € greift. Für Ihre genaue Euro-Summe rechnet der eigene Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums die vollständige Formel auf Ihre gesamte Steuererklärung an.
Note
Genau deshalb funktioniert die nachgelagerte Besteuerung für die meisten Sparerinnen und Sparer günstig — das gesamte Renteneinkommen liegt meist deutlich unter dem Einkommen der besten Erwerbsjahre, sodass dieselben Euro, die zu einem höheren Satz während der Karriere Steuer gespart haben, im Ruhestand zu einem niedrigeren Satz nachversteuert werden.
Die 30%-Kapitaloption und ihre Steuerfolgen
Zu Beginn der Auszahlungsphase können Riester-Sparer bis zu 30% des angesparten Kapitals als einmalige Kapitalauszahlung statt als Teil der laufenden Rente entnehmen. Dieser Anteil ist vollständig im Jahr des Erhalts steuerpflichtig — mit denselben 84%, die auch bei der laufenden Rente gelten —, aber konzentriert auf ein einziges Steuerjahr statt über den gesamten Ruhestand verteilt.
Bei demselben Vertrag mit 600 €/Monat und beispielsweise 40.000 € angespartem Kapital: Eine 30%-Kapitalauszahlung beträgt 12.000 €, davon sind 10.080 € (84%) in genau diesem einen Jahr steuerpflichtig — zusätzlich zu allem sonstigen Einkommen dieses Jahres. Fällt in dasselbe Jahr bereits eine bescheidene Rente, kann der steuerpflichtige Anteil der Kapitalauszahlung einen Teil davon in eine höhere Progressionsstufe schieben, als es bei der laufenden Rente jemals passieren würde — selbst wenn dasselbe Geld, gleichmäßig als monatliche Rente entnommen, steuerlich günstiger gewesen wäre.
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Kleinbetragsrente: Die Ausnahme für kleine Verträge
Läge Ihre monatliche Riester-Rente 2026 bei 39,55 € oder weniger, zahlen Anbieter sie als einmalige Kapitalzahlung statt als monatliche Rente aus — eine Kleinbetragsrente. Seit 2018 wird diese erzwungene Einmalauszahlung nach der Fünftelregelung des §34 EStG besteuert, die den Progressionseffekt der Auszahlung rechnerisch auf fünf Jahre verteilt — sie mildert damit den einmaligen Steuersprung ab, ohne den Auszahlungszeitpunkt selbst zu verschieben.
Das ist relevanter, als es klingt: Ein Vertrag, der erst wenige Jahre läuft, oder einer, der überwiegend aus den Zulagen des Partners bei niedrigem Eigenbeitrag finanziert wurde, liegt oft unter dieser Schwelle, ohne dass die sparende Person das vor dem Auszahlungsbescheid bemerkt.
Der Vergleich zur ungeförderten privaten Rentenversicherung
Der steuerpflichtige Anteil von 84%+ bei der Riester-Rente wirkt hoch im Vergleich zu einer ungeförderten privaten Rentenversicherung, bei der nur der Ertragsanteil — bei Rentenbeginn mit 67 rund 17% — steuerpflichtig ist, nicht die gesamte Auszahlung. Diese Lücke ist kein Versehen, sondern die Kehrseite der Vereinbarung: Riester-Beiträge wurden beim Einzahlen steuerlich begünstigt und mit Zulagen aufgestockt, während eine ungeförderte private Rentenversicherung mit bereits voll versteuertem Geld bezahlt wird. Die niedrigere Ertragsanteil-Besteuerung ist der Ausgleich dafür, beim Einzahlen keine Förderung erhalten zu haben — mehr dazu in unserem Ratgeber zur privaten Rentenversicherung.
Ob die vorgelagerte Förderung der Riester-Rente die niedrigere Besteuerung am Ende bei einer ungeförderten Alternative — oder dem neueren Altersvorsorgedepot — dauerhaft schlägt, hängt von Ihrer Zulagenberechtigung, Ihrem Steuersatz während der Erwerbsjahre und der verbleibenden Einzahldauer ab; den vollständigen Vergleich finden Sie in unserem Riester-Entscheidungsratgeber.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Riester-Rente steuerfrei?
Nein. Riester-Auszahlungen unterliegen der nachgelagerten Besteuerung — 2026 zählen 84% der Auszahlung als steuerpflichtiges Einkommen zum persönlichen Steuersatz, der Anteil steigt bis 2058 auf 100% für Verträge mit Auszahlungsbeginn in jenem Jahr.
Wie viel Steuer zahle ich auf eine Riester-Rente?
Das hängt vom gesamten zu versteuernden Einkommen des Jahres ab. Der steuerpflichtige Anteil der Auszahlung (84% in 2026) wird zum übrigen Einkommen addiert; bleibt die Summe unter dem Grundfreibetrag von 12.348 € (2026, Einzelveranlagung), fällt keine Einkommensteuer an. Darüber wird progressiv besteuert, beginnend mit einem Eingangssteuersatz von 14%.
Kann ich meine Riester-Rente als Einmalzahlung entnehmen?
Sie können zu Beginn der Auszahlungsphase bis zu 30% des angesparten Kapitals als Einmalzahlung entnehmen; der Rest läuft als monatliche Rente weiter. Die Einmalzahlung ist vollständig im Jahr des Erhalts steuerpflichtig, was einen Teil davon in eine höhere Progressionsstufe schieben kann, als es bei gleichmäßiger Verteilung über die Rente der Fall wäre.
Was passiert steuerlich mit meiner Riester-Rente, wenn ich außerhalb Deutschlands in den Ruhestand gehe?
Die Riester-Förderung ist an die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland geknüpft. Ein dauerhafter Wohnsitzwechsel außerhalb der EU/des EWR im Ruhestand kann selbst als schädliche Verwendung gelten, unabhängig von der hier beschriebenen regulären Auszahlungsbesteuerung — prüfen Sie konkrete Wohnsitzpläne vorab anhand der aktuellen ZfA-Richtlinien.
Steigt der steuerpflichtige Anteil weiter, nachdem meine Auszahlung begonnen hat?
Nein. Der steuerpflichtige Anteil wird auf den Satz festgeschrieben, der im Jahr des Auszahlungsbeginns galt, und bleibt für die gesamte Laufzeit der Rente auf diesem Niveau. Nur Auszahlungen, die in einem späteren Jahr beginnen, nutzen einen höheren Prozentsatz.
Fazit
Die Riester-Rente ist beim Einzahlen gefördert und beim Auszahlen versteuert — 84% im Jahr 2026, mit einer festen Quote für die gesamte Laufzeit Ihrer persönlichen Auszahlung. Ob dabei überhaupt Steuer anfällt, entscheidet nicht der Prozentsatz allein, sondern Ihr gesamtes zu versteuerndes Einkommen im jeweiligen Jahr gegen den Grundfreibetrag. Bei der 30%-Kapitaloption lohnt sich vorab durchzurechnen, in welches Jahr die Auszahlung fällt und was sonst noch auf dem Steuerbescheid steht.
Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine individuelle Finanz- oder Versicherungsberatung dar. Vergleichen Sie Optionen über lizenzierte Partner (Vergleichsportale) wie Check24 oder Verivox. Alle Angaben ohne Gewähr.
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